Ohne die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Wülfrath gäbe es eine große Lücke in der Stadt: Seit 80 Jahren gibt es den Ortsverein bereits, der für viele Menschen eine wichtige Anlaufstelle, fast schon eine zweite Heimat ist. Nun wurden zwei Jubiläen gefeiert.

Wülfrath Ein voller Saal – so gehört sich das, wenn es etwas zu feiern gibt. Das alljährliche Sommer- und Nachbarschaftsfest der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Wülfrath war in diesem Jahr auch ein großes Geburtstagsfest, denn es gab gleich zwei Jubiläen zu feiern: Zum einen kann der Awo-Ortsverein Wülfrath bereits auf sein 80-jähriges Bestehen zurückblicken und zum anderen feierte das Awo-Gebäude an der Schulstraße seinen 60. Geburtstag.

„Es gibt Orte in einer Stadt, die mehr sind als ein Gebäude“, sagte Bürgermeister Sebastian Schorn bei seiner Ansprache. „Orte, an denen Menschen zusammenkommen, Gespräche entstehen und man spürt: Hier ist man füreinander da.“ Die Awo Wülfrath sei so ein Ort. Hier gehe es nicht nur um Veranstaltungen und Angebote, sondern vor allem um Menschen, um Begegnungen, um Gemeinschaft und das gute Gefühl, nicht allein zu sein.

Seit 1946 ist die Awo in der Wülfrather Stadtgemeinschaft verwurzelt. Der Vorsitzende Peter Zwilling weiß, wie der Weg zum heutigen Gebäude verlief. Denn zunächst war die Awo in der Schulstraße 1 untergebracht. „Anfang der 60er-Jahre beschloss die Stadt Wülfrath, dort das neue Rathaus zu bauen“, erzählt Peter Zwilling. Die Awo musste weichen und erhielt in Absprache mit der Stadt das Grundstück an der Schulstraße 13 in Erbpacht für 100 Jahre. „Zuerst wurde das Gebäude vorne mit dem Flachdach errichtet“, so Zwilling. 1966 fand die Eröffnung statt. Hier entstand auch die erste offizielle Seniorenbegegnungsstätte. Irgendwann kamen so viele Menschen, dass der Platz nicht mehr ausreichte. „Es mussten drei Weihnachtsfeiern gefeiert werden“, erklärt Peter Zwilling.

Fördermittel wurden akquiriert und es wurde angebaut. Erst die Kegelbahn, dann Ende der 80er-Jahre der große Saal. Und der ist aus Wülfrath nicht mehr wegzudenken. „Hier ist Platz“, sagt Zwilling. „In diesem Saal ist sieben Tage die Woche etwas los.“ Und er wird nicht nur von der Awo selbst genutzt. „Der Saal ist für die Wülfrather Stadtgesellschaft unbezahlbar“, so der Awo-Vorsitzende, „denn in dieser Größe gibt es sonst nichts.“

Die Awo Wülfrath hat hier im Laufe der Jahre viele Veranstaltungen und Angebote auf die Beine gestellt. So dient der Saal natürlich als Begegnungsstätte mit vielen Treffs und Möglichkeiten für ältere Menschen. Cornelia Weimer leitet die Begegnungsstätte und weiß: „Es ist ein Ort, wo man gerne hinkommt und wo man sich willkommen fühlt.“ Aber auch eine Behindertenberatung findet hier statt. „Wir haben den rollenden Mittagstisch, das Café Grenzenlos für Frauen vorwiegend aus dem islamischen Bereich“, zählt Zwilling auf. Eine Kreativgruppe stellt schöne Dinge her, die später über die Tafel an Bedürftige weitergegeben werden. „Es gibt in diesem Jahr das Sonntagscafé“, ergänzt Zwilling. „Wir laden Menschen für 10 Euro zu Kaffee, Kuchen und einem Konzert ein.“ Er betont, dass Musik die Brücke zu den Menschen ist.

Auch ein wichtiges Angebot der Awo ist die Beratungsstelle für ausländische Jugendliche. „Wir beraten bei Fragen nach dem Schulabschluss und auf dem Weg in den Beruf.“ Außerdem hat die Awo gemeinsam mit dem Seniorenrat die Initiative gegen Einsamkeit gegründet. „Wir möchten eine Geh-Struktur entwickeln“, erklärt Zwilling. Menschen gehen zu Menschen, die einsam sind. „Das braucht viele Ehrenamtliche.“

Überhaupt steht das Ehrenamt im Vordergrund. Einzig Cornelia Weimer ist hauptamtlich tätig, alles andere wird von Ehrenamtlichen gestemmt. Bernd Gützloe (82) ist einer von ihnen. „Ich bin der Mann für alle Fälle“, sagt er lachend. „Seit 15 Jahren.“ Er kam durch die Skatgruppe zur Awo. „Inzwischen sind wir 20 Skatspieler“, verrät er. „Skat ist Gedächtnistraining.“ Die Awo unterstützt er dort, wo gerade Hilfe gebraucht wird. „Es macht mir Spaß.“ Vor allem die Begegnungen. „Je mehr Leute, desto lieber“, meint er. „Es ist schön, wenn man mit den Leuten reden kann. Wir unterhalten uns über alles.“ Das macht die Awo aus und das ist es, was die Menschen an der Schulstraße 13 finden, wie Peter Zwilling betont: „Eine Anlaufstelle.“

Hier ist man füreinander da